Mit dem WebserienBlog dokumentieren wir die deutschsprachige Webserienlandschaft und ausgewählte internationale Webserien [mehr über das Projekt].

Alles Liebe, Annette


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Handlung
In der Webserie Alles Liebe, Annette geht es um die 18 Jährige Annette Hülshoff, dargestellt von der Schauspielerin Barbara Prakopenka.
Die Webserie spielt dabei selbstreflexiv mit ihrem Status als fiktionale Erzählung, ihrer Selbstinszenierung als authentischer Videoblog sowie biographischen Referenzen.
Bei der Produktion des im Dezember 2016 gestarteten Jugendsenders Funk handelt es sich um eine sehr freie Adaption des Lebens der bekannten deutschsprachigen Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gewirkt hat. Biografische Bezüge zum Leben der Dichterin werden collagenartig neu angeordnet und spiegeln sich in einzelnen Figurenanlagen oder Konstellationen der Handlung; die eigentliche Erzählung jedoch ist in die Gegenwart ‚übersetzt’.

Anmerkung
Im Mittelpunkt der Handlung steht die 18jährige Annette Hülshoff, die in einem Dorf nahe Halle an der Saale aufgewachsen ist. Annette träumt davon, Schriftstellerin zu werden.
Um mit ihrer potentiellen Leserschaft in Kontakt zu treten, erstellt sie einen Videoblog in dem sie tagebuchartig über ihren Alltag berichtet. Diese Videoclips bilden die einzelnen Episoden der Webserie. Die Handlung beginnt mit dem Auszug von Annette aus dem Haus ihrer Eltern. Kurzerhand zieht Annette in eine Wohngemeinschaft mit ihrer Freundin Maria.
Im Verlauf der Handlung kommen noch weitere Mitbewohner hinzu, etwa der zurückhaltende Jurastudent Henry oder der Musiker Arne. Letztgenannter ist in der fiktionalen Welt der Webserie ein aufstrebender Pop-Star, der insbesondere bei jungen Mädchen beliebt zu sein scheint. Im weiteren Verlauf der Geschichte entspinnt sich eine komplexe ‚Dreiecks-Beziehung’ zwischen Annette und Arne bzw. Henry.
Die Erzählhaltung der Webserie kann dabei als ‚pseudo-authentisch’ bezeichnet werden: wiederholt wird mit ästhetischen und narrativen Strukturen gespielt, die die Illusion der Privatheit von Annettes Videoblog durch inszenierte Unprofessionalität betonen. Diese ‚Fehler’ oder produktionsbezogene Unsauberkeiten werden dabei nicht herausgeschnitten, sondern ganz bewusst als Authentifizierungsstrategie eingesetzt:
So verstellt Annette etwa ihre feststehende Kamera mitten in einem Videoblog, um einen geeigneteren Kamerawinkel zu finden, oder korrigiert wiederholt sprachliche Aussagen, welche sie als nicht exakt genug formuliert empfindet.
Interessanterweise gibt es jedoch auch verschiedene Inszenierungsstrategien, die den eindeutig fiktionalen Status der Webserie zumindest temporär in den Vordergrund treten lassen.
In der zweiten Folge nutzt Annette ihren Computer, um mit ihrer Freundin Maria per Videokonferenz zu chatten. Maria befindet sich dabei in Halle, Annette hingegen im Haus ihrer Eltern, einige Kilometer von Maria entfernt. Abwechselnd sehen wir Annette, wie sie von ihrer Webcam gefilmt wird, und den Blick auf ihren Monitor, auf dem Maria zu sehen ist. Plötzlich jedoch steht Maria leibhaftig in Annettes Zimmer. Annette erscheint deswegen verwirrt zu sein: wie kann Maria, die gerade noch in Halle war, plötzlich in ihrer Wohnung sein? In der Webserie wird keine Antwort auf diese Frage gegeben. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Rezipienten, im Abgleich mit ihrem Weltwissen, zu dem Ergebnis kommen, dass eine derartige metaleptische Überbrückung von Raum und Zeit unter Berücksichtigung der physikalischen Gesetze nur in fiktionalen Artefakten möglich ist.
Alles Liebe Anette kann somit als eine der interessantesten deutschsprachigen Webserien des Jahres 2017 bezeichnet werden. Zwar lassen sich weder die Inszenierung als Videoblog noch die Nutzbarmachung literarischer Motive als Innovation werten, trotzdem kann die Webserie durch die vermittelte Geschichte und aufgrund der sehr guten Besetzung überzeugen.

Angaben

Staffeln: 1
Episoden: 100
Episodenlänge: ca. 5 Minuten
Zuerst gezeigt auf: YouTube
Produktion: Bastei Media im Auftrag von Funk
Jahr: 2016-2017
Genre: Soap, WG-Webserie
Abrufbar unter: YouTube

Andreas Veits (17.10.2017)

Der Wedding kommt

Handlung

Die drei Freundinnen Roxy, Luisa und Mia treffen sich freitags in der Berliner U-Bahn vom Wedding nach Neukölln auf dem Weg zur nächsten Party. Beim Vorglühen werden dabei die wichtigsten Fragen ihres Lebens geklärt: von modernen Beziehungen bis zur beruflichen Selbstfindung.

Anmerkung

Produziert im Auftrag von funk, feierte die Webserie Der Wedding kommt mit einer Silvesterfolge am 31. Dezember 2016 ihre Premiere auf Facebook. Die Serie wurde von einem überwiegend weiblichen Produktionsteam entwickelt und positionierte sich laut eigener Angaben vor allem als Format über eine Gruppe moderner, unabhängiger Frauen, die als Identifikationsfiguren dienen sollen. Inhaltlich spricht die Webserie auch solche Themen und Probleme an, die mit üblichen gesellschaftlichen Konventionen in Bezug auf Weiblichkeit brechen: So wird in einer der Folgen von der „tauben Muschi“ gesprochen oder in der anderen – die Thematik der offenen Beziehung in den Mittelpunkt gestellt.

Die Regisseurin Isabel Barak spricht davon, dass die Serie „auf humorvolle Weise einen modernen Feminismus zeigt, (…) ohne in Klischees zu verfallen“. Das feministische Missy Magazine vergleicht die Webserie sogar mit der gefeierten amerikanischen Serie Girls – und tatsächlich sind thematische Einflüsse aus dem amerikanischen Vorbild erkennbar. In beiden Serien geht es um Frauen, die mit Sex, Beziehungen und sich selbst klarzukommen versuchen. Girls wird jedoch häufig gerade dafür gelobt, wie ehrlich, unglamourös und schonungslos die Frauen und ihr Leben dargestellt werden. Von der scharfsinnigen Schonungslosigkeit einer Lena Dunham ist bei Der Wedding kommt dagegen nicht viel zu spüren. Die Webserie geht deutlich sanfter mit ihren Protagonistinnen um, die jeweils einem spezifischen Stereotypen zugeordnet werden können – Roxy als Sexbombe, Mia als Möchtegern-Start-Up-Unternehmerin und Luisa als naives Mädchen von nebenan – aus dem sie nur selten innerhalb der Handlung ausbrechen dürfen. Selbst wenn die Mädels nach einer durchzechten Nacht mit verschmiertem Make-Up dargestellt werden, bleiben sie den Zwängen ihrer Rollen häufig weiterhin treu. Dabei beweisen gelungene Szenen wie beispielsweise in der sechsten Folge „Alt und Einsam“, wenn die Sexbombe Roxy ihren 30esten Geburtstag feiert und auf dem Weg nach Hause glaubwürdig und verletzlich wirkt, dass es auch anders geht. Für die bereits geplante zweite Staffel wären mehr solche Augenblicke wünschenswert.

Trotz der kleineren Schwächen ist Der Wedding kommt eine technisch einwandfreie und unterhaltsame Webserie, die eine Frauenfreundschaft in den Mittelpunkt rückt. Während im US-Fernsehen immer mehr Frauen wie Tina Fey, Lena Dunham, Jill Soloway und Shonda Rhimes ihre eigenen Shows schreiben und produzieren, gibt es in Deutschland vor und hinter der Kamera immer noch sehr wenig weibliche Produktionsteams. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Tatsache in den nächsten Jahren ändern wird und mehr Produktionen entstehen, die eine weibliche Perspektive verstärkt in den Fokus stellen.

Angaben

Staffeln: 1
Episoden: 6
Episodenlänge: ca. 5 Minuten
Zuerst gezeigt auf: Facebook
Produktion: UFA LAB im Auftrag von Funk
Jahr: 2017
Genre: Komödie
Abrufbar unter: YouTube

Sonstige Quellen

Dockterman, Eliana (2015). "Why We Need More Women Creating TV Shows." TIME Magazine.
Nussbaum, Emily (2012). "It's different for 'Girls': Lena Dunham's new show is like nothing else on TV." New York Magazine.
Runciman, Svenja (2016). "Der Wedding kommt: Neue Facebook-Serie". Goldene Kamera.
Umuhire, Amelia (2017). "Lena Dunham trifft auf Anke Engelke: Isabel Braaks Webserie handelt von Freundinneschaft, Sex und dem Großstadtleben. Ein Interview." Missy Magazine.
(Zugriff: 14.06.2017)

Maria Malzew, 14.06.2017

S.O.S. Save Our Skins

Handlung

S.O.S. Save Our Skins erzählt die Geschichte von zwei britischen Geeks, Ben und Stephen, die eigentlich zu einer Science-Fiction-Convention nach New York angereist sind, aber beim Aufwachen im Hotel feststellen, dass der Rest der Menschheit komplett verschwunden zu sein scheint. Nachdem die beiden Protagonisten weder auf Twitter, noch über Xbox Live auf Lebenszeichen stoßen und schließlich auch noch ihre letzten Essensvorräte aufgebraucht sind, wagen sie sich in die seltsam leere Stadt hinaus und versuchen herauszufinden, was mit den Menschen passiert sein könnte. Dabei entdecken sie, dass die neue Welt auch einige neue Probleme und Gefahren in sich birgt.

Anmerkung

Entwickelt von zwei britischen Comedians Nat Saunders und Chris Hayward (bekannt durch Shows wie Big Train, Smack the Pony, Trollied und Fit), die selbst auch die beiden Hauptrollen spielen, wurde der Pilot der Webserie auf der „Just-for-Laughs“-Konferenz entdeckt und gleich danach durch mehrere Produktionsstudios in Kanada und UK finanziert und co-produziert. Die Produktion war dann in unterschiedlichen Versionen verfügbar: als 13-Teilige Webserie, als 4-teilige Fernsehshow und als 90-minütiger Fernsehfilm. Nachfolgend gewann die Serie mehrere Awards, unter anderem auf dem Crystal Palace International Film Festival und dem Raindance Web Festival.

Tatsächlich überzeugt die Webserie zunächst durch einen gelungenen Mix aus Komödie, Science-Fiction und Horrorsatire. Gerade die Zuschauer, die mit anderen großen Produktionen des gleichen Genres wie beispielsweise Shaun of the dead oder The Hitchhiker's Guide To The Galaxy vertraut sind, werden mit vielen liebevoll eingebauten interfilmischen Referenzen auf der visuellen und auditiven Ebene konfrontiert. So erinnert bereits das eindrucksvolle Setting der Serie – die menschenleere Stadt New York - an die Szenen aus dem Film I am Legend. Die Webserie inszeniert viele der Verweise auf spezifische Filme oder Genres dabei in einem humoristischen Gestus.

Grundsätzlich profitiert die Serie ebenfalls dadurch, dass die Hauptfiguren gut miteinander harmonieren. Die beiden Figuren sind als Gegensätze inszeniert: Ben als fauler und egozentrischer Klassenclown, der auf den verantwortungsbewussteren Stephen angewiesen ist. Außerdem besitzen beide überhaupt keine Überlebensfähigkeiten, die in einer apokalyptischen Welt eigentlich unabdingbar sind, was zu gefährlichen und gleichermaßen absurden Situationen führt.

S.O.S. Save Our Skins ist insgesamt ein solider Genremix, der sich zwar aus einer Reihe von Vorbildern bedient und an Kultkomödien wie Shaun of the Dead nicht ganz rankommt, aber dank der gelungenen Besetzung und der überzeugenden Inszenierung durchweg eine gute Unterhaltung bietet.

Angaben

Staffeln: 1
Episoden: 13
Episodenlänge: ca. 6 – 10 Minuten
Zuerst gezeigt auf: FEARnet
Produktion: Baby Cow Productions / Duopoly / Farmhouse Productions / Smiley Guy Studios
Jahr: 2014
Genre: Komödie / Sci-Fi / Horror
Abrufbar unter: YouTube

Maria Malzew, 06.06.2017

Ex-Model

Handlung

Was macht eigentlich ein ehemaliges Topmodel, das für die Modeindustrie zu alt geworden ist? Genau dieser Frage muss sich die in Paris lebende Chinesin XinXin stellen. Dabei entdeckt die gerade mal 25-Jährige schnell, dass es gar nicht so einfach ist, als Ex-Model den Lebensunterhalt zu bestreiten und den gewohnten Lebensstil beizubehalten. Weil sie bisher jedoch nichts anderes als Modeln gelernt hat, muss sie die verrücktesten Jobs annehmen und landet unterdessen häufig in peinlichen oder lustigen Situationen. So wird XinXin unter anderem unfreiwillig zum Vorbild für eine Sexpuppe oder muss bei einem weiteren Job eine Antifalten-Creme mit ungewöhnlichen Nebeneffekten testen.

Anmerkung

Die auf der wahren Lebensgeschichte der Hauptdarstellerin Xing Wang basierte biografische Webserie bedient sich der Thematik, die in den letzten Jahren vor allem durch diverse Reality-TV-Formate populär geworden ist. Dass Modelbusiness als Massenunterhaltung gut funktioniert und darüber hinaus den Produzenten sogar Millionenumsätze bringen kann, weiß der deutsche Zuschauer spätestens seit der Ausstrahlung von Germany’s Next Topmodel. Was dieses Unterhaltungsformat allerdings nicht thematisiert, ist die Frage danach, welche berufliche Möglichkeiten den jungen Frauen überhaupt noch bleiben, wenn sie in der schnelllebigen Fashionindustrie bereits mit Anfang Zwanzig als zu alt gelten.

Die chinesisch-französische Webserie spricht diese Problematik dagegen offen an und macht sie sogar zum zentralen Leitmotiv der Handlung. Leider bleibt die Auseinandersetzung mit dem Thema dabei auch hier eher oberflächlich: So wird von den Serienproduzenten nicht reflektiert, warum XinXin nicht mehr als Model arbeiten kann oder warum die Modeindustrie überhaupt immer jüngere Gesichter braucht. Stattdessen wird der Alltag eines arbeitslosen Models komödiantisch – fast wie in einer Slapstick-Komödie – in Szene gesetzt, wobei häufig sowohl Model-Stereotypen als auch Asiaten-Klischees im Mittelpunkt der Erzählung stehen. Das thematische Potenzial der Serie, das hier durchaus vorhanden ist, könnte in Bezug auf ihre sozial-kritische Funktion aber weiter ausgebaut werden, wenn die Figuren differenzierter dargestellt würden.

Außergewöhnlich ist bei dieser Produktion der mutige Umgang mit formalen Mitteln. Bereits ab der ersten Sekunde der Serie wird mit schnellen Schnitten, mit eingefügten schnellwechselnden Fotos und Videos, mit Schriftzügen im Bild und dem darübergelegten Voice-Over ein rasantes Tempo der Erzählung vorgelegt. So erfährt man beispielsweise in der ersten Folge ("Life as a model") durch eine schnelle Montage aus Videos und Fotos, die wie in einem Album von XinXin persönlich umgeblättert und von ihr durch ein Voice-over kommentiert werden, wie aus der Sicht der Protagonistin sie überhaupt zum Modeln kam. Dieser subjektive Eindruck wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass XinXin ihre Erzählung manchmal unterbricht, um etwas zu erzählen, was mit den Ereignissen ihrer Vergangenheit nicht unmittelbar zu tun hat, wobei gerade durch derartige ‚Abschweifungen‘ individuelle Wertvorstellungen der Figur ersichtlich werden (wie etwa in Folge 1: „aber, schaut hier, das Mädchen ist fast so hübsch wie ich“).

Durch den schnellen Einstellungswechsel und die schon beschriebene Fülle an Stilmitteln muss sich der Rezipient zunächst an die bunte und sehr schnelle Welt der Serie gewöhnen. Insgesamt besteht darin aber genau der Reiz der Serie.

Angaben

Staffeln: 2
Episoden: 20
Episodenlänge: ca. 4-8 Minuten
Zuerst gezeigt auf: Youku Original
Produktion: Drunken Dragon Productions
Jahr: 2014-2015
Genre: Komödie
Abrufbar unter: Amazon Prime

Maria Malzew, 24.05.2017

Familie Braun

Handlung

Kai Braun und Thomas Stahl sind Neonazis, die gemeinsam in einer Plattenbauwohnung in Berlin leben und in ihrer Freizeit gern Hakenkreuze auf Windschutzscheiben sprühen, die Bevölkerung mit einem Hitlergruß provozieren und grundsätzlich sinnlos in der Gegend rumpöbeln. Eines Tages steht die dunkelhäutige sechsjährige Lara vor ihrer Tür. Im folgenden stellt sich nicht nur heraus, dass Kai Laras Vater ist, sondern soll der junge Neonazi fortan auch noch die Erziehung des Kindes übernehmen, weil Laras Mutter aus Deutschland abgeschoben wird.

Anmerkung

Diese Webserie – produziert fürs ZDF unter Mitarbeit von YouTube-Stars LeFloid, Doktor Froid und Space Frogs – feierte ihre Premiere im Kino Babylon und war kurz danach auf YouTube und in der ZDF-Mediathek frei verfügbar. Laut SPIEGEL wurde die erste Folge nach nur vier Tagen mehr als 30.000 Mal geklickt. Tatsächlich versucht das ZDF mit diesem Projekt die YouTube-Zielgruppe zu erreichen und setzt dabei auf hippe YouTube-Kreative und ihre Social-Media-Communities. Wie kaum bei einer anderen deutschen Webserie war daher auch das Interesse der Presse entsprechend groß. Die Pressestimmen sind dabei allerdings alles andere als positiv ausgefallen. So wird die Serie beispielsweise als „geschmackslos und realitätsfern“ (vgl. ZEIT ONLINE) beschrieben und die beiden Hauptfiguren – als „Witzfiguren (…), zumal man ihnen die rechtsradikale Mentalität keine Sekunde abnimmt“ (vgl. FAZ).

Hinter dieser Kritik steckt teilweise auch die Gretchenfrage, die sich bei einer derartigen Thematik fast automatisch stellt: Darf man sich über Nazis überhaupt lustig machen? Verharmlost die komödiantische Bearbeitung dabei nicht ein schwerwiegendes gesellschaftliches Problem? Zumindest die Presse scheint sich diesbezüglich weitgehend einig zu sein: Natürlich darf man das, aber dann muss es eben „originell und lustig sein“ (vgl. Stern). Tatsächlich beweisen gelungene Beispiele aus der Filmgeschichte wie etwa „The Great Dictator“ von Charlie Chaplin oder „To Be or Not To Be“ von Ernst Lubitsch, dass Ernsthaftigkeit, Humor und Sarkasmus sich bei der Beschäftigung mit dem Thema Rechtsradikalismus nicht ausschließen müssen. Zugegebenermaßen ist es alles andere als fair, eine Webserie wie „Familie Braun“ mit Meisterwerken der Filmgeschichte zu vergleichen. Amüsant ist die Serie dennoch, auch wenn sie insgesamt etwas vorhersehbar ist und die Figuren ihre nationalsozialistische Ideologie in der Tat nicht sehr überzeugend porträtieren. Einige kurze bemerkenswerte Szenen bietet die Serie trotzdem, beispielsweise wenn Laras Lehrer zur Besuch kommt und sich im Laufe der Folge als Neonazi entpuppt, der den Vater zu überzeugen versucht, dass Lara lieber eine andere Schule besuchen soll. Auch wenn diese Szene weder realitätsnah noch besonders raffiniert konzipiert ist, so werden die Zuschauer zumindest damit konfrontiert, wie einfach sich der ‚gutgemeinte‘ Rassismus in den Alltag schleichen kann.

Bei all der inhaltlichen Kritik an der Serie darf man jedoch nicht vergessen, dass „Familie Braun“ vor der Herausforderung steht, nicht nur innerhalb von etwa fünf Minuten pro Folge schnell und eindeutig die Handlung zu inszenieren, sondern vor allem das junge Publikum, die eindeutige Zielgruppe der Produzenten, zufriedenstellen muss. Formate wie die Webserie „Familie Braun“, die sowohl im Fernsehen als auch im Internet rezipiert werden, sind daher als Ausdehnung des klassischen Fernsehangebotes zu verstehen: Auch wenn erzählerisch noch einige Punkte hätten besser gelöst werden können, ist es grundsätzlich zu begrüßen, dass das öffentlich rechtliche Fernsehen nicht nur neue mediale Formen aufgreift, sondern auch kontroverse Themen bearbeitet, die im Kontext von deutschen Webserien ansonsten eher selten vorkommen.

Angaben

Staffeln: 1
Episoden: 8
Episodenlänge: ca. 3-7 Minuten
Zuerst gezeigt auf: YouTube / ZDF.de
Produktion: Polyphon im Auftrag von ZDF Quantum/Das kleine Fernsehspiel
Jahr: 2016
Genre: Komödie
Abrufbar unter: YouTube: Familie Braun

Sonstige Quellen

Frank, Arno (2016). „Papi ist Nazi - aber ein lieber.“ SPIEGEL Online.
Kunert, Heike (2016). „Familie Braun: Zu Hause bei der Führers.“ Zeit Online.
Jungen, Oliver (2016). „ZDF-Serie „Famile Braun“: Zwei Dumpfbacken und ein Findelkind.“ FAZ.
Denk, David (2016). „Familie Braun auf ZDF: Der Nazi und seine schwarze Tochter.“ Süddeutsche Zeitung
Heidböhmer, Carsten (2016). „ZDF-Serie „Famile Braun“: Mein Papi, der liebe Nazi-“ Stern
(Zugriff: 09.05.2017)

Maria Malzew, 09.05.2017

Courage

Handlung

Bei "Courage" handelt es sich um ein serielles Format der deutschen Wrestling-Liga 'German Wrestling Federation. Jede der ca. vierzigminütigen Folgen umfasst filmisches Material in Form der vor Publikum aufgezeichneten 'Ring-Kämpfe' sowie zusätzliche pseudo-authentische Sequenzen, die als Rahmenhandlung für diese 'Matches' inszeniert werden. Diese letztgenannten Einspieler dienen dazu, bestimmte Rivalitäten zwischen den Kämpfern zu beleuchten bzw. für das Publikum transparent zu machen. 

Anmerkungen


"Courage" ist nicht als Webserie im engeren Sinne zu klassifizieren: Die einzelnen Folgen umfassen eine Spieldauer von fast einer vollen Stunde, zudem ist die Handlung der Serie zwar 'fiktional', der Großteil einer jeden Folge besteht jedoch aus den live aufgezeichneten Kämpfen der Wrestler, diese Segmente sind am treffendsten als 'Sports-Entertainment' zu bezeichen.
Insbesondere die Einspieler zwischen den Kämpfen sind professionell produziert und können qualitativ (Kamera- und Schnitttechnik) durchaus mit vielen anderen deutschen Webserien mithalten. Die Überblendungen von faktualen Inhalten und gescripteten Inszenierungen beschränken sich dabei nicht nur auf die Kämpfe im Ring, sondern ergeben sich auch im Zusammenspiel mit der Rahmenhandlung: Im Stile eines Video-Blogs wird durch die letztgenannten Sequenzen von einzelnen Wrestlern berichtet und dabei auf verschiedene Authentizitäts-Marker, wie beispielsweise Handkameraeffekte, zurückgegriffen. Die Wrestlig-Serie ist dabei trotz des hohen Produktions-Niveaus  in erster Linie nur etwas für Fans der Sportart.


Angaben

Staffeln: 1
Episoden: 6 (Stand: 20.01.2017, die Staffel wird derzeit fortgeführt)
Episodenlänge: ca. 40-120 Minuten
Zuerst gezeigt auf: YouTube
Creator und Regie: German Wrestling Federation
Jahr: 2016-2017
Genre: Pseudo-Authentisch
Abrufbar unter:
https://www.youtube.com/playlist?list=PL7oUdQScYXSDHBhCUoWVAbwCOwpBmS0qa

Andreas Veits, 08.02.2016

Super Power Beat Down [ENG]


Handlung


In den ‚fiktionalen Universen‘ des Superhelden-Comics, des Fantasy- und des Science-Fiction-Films sind es die spezifischen, übersinnlich-metaphysischen Fertigkeiten, welche Protagonisten und Antagonisten – oftmals durch kriegerische Auseinandersetzungen – in ihrer jeweiligen Rolle exponieren und auf den Entwicklungsprozess der Geschichte Einfluss nehmen. Super Power Beat Down führt die legendären Helden und Antihelden verschiedener ‚Fiktionskosmen‘ (wie beispielsweise Darth Vader, Superman, Wolverine etc.) in einem neuen zusammen und lässt zwei von ihnen – Kraft ihrer jeweiligen Spezialfertigkeiten – in einer kriegerisch-offensiven Konfrontation gegeneinander antreten. Jeder Zweikampf wird von einer Moderation (Marisha Ray) und einem Faktencheck zu den betreffenden Figuren (Damian Beurer, Andy Liegl, vereinzelt weitere Experten der Medienbranche) gerahmt. So wird in Super Power Beat Down weniger eine episodenübergreifende Geschichte bzw. Handlung vermittelt, sondern einzelne Auseinandersetzungen zwischen fiktionalen Figuren der Populärkultur inszeniert.

Genre


Super Power Beat Down dezidiert einer Gattung und einem konkreten Genre zuzuordnen, würde der Webserie insofern nicht gerecht, als dass sich auf beiden Klassifikationsebenen Hybridformen abzeichnen: Das Kernelement der Serie, der ‚Showdown‘, ist als kurze Spielfilmsequenz realisiert, in welcher die zwei Legendenfiguren entsprechend ihren Charaktereigenschaften und Fähigkeiten die Kampfhandlung vorantreiben. Die Mise-en-Scène auf der einen Seite, die Kostümierung und der sprachliche Ausdruck der Figuren auf der anderen Seite, verweisen dabei mehr oder minder eindeutig auf jene Comic- und Filmwelten, aus denen die Figuren ursprünglich hervorgegangen sind (intermediale Bezüge). Hier wird in ebendieser Kombination zweier Figuren aus unterschiedlichen Medienkontexten ein eigener, von der vorfilmischen Realität abgekoppelter ‚Fiktionsraum‘ geschaffen. Wenn auch Science-Fiction-Elemente in den Spielfilmsequenzen dominieren (Figuren, Setting, Objekte etc.), zeichnet sich in den effektgeladen Kampfhandlungen vor allem Action und expressive Gewalt ab. Neben Überspitzungen, Ironisierungen und überraschenen Twists, sind die filmischen Sequenzen vereinzelt von karikierend-komödiantischen Impulsen geprägt. Die Spielfilmsequenzen bewegen sich folglich im genrehybriden Spannungsfeld zwischen Science-Fiction, Action und Komödie (vgl. z. B. Episode 4 und Episode 14).

Von der Inszenierung der ‚Kämpfe’ ist vor allem die rahmende Moderation und der ‚Faktencheck’ zu unterscheiden: Durch die gezielte Hinwendung der Moderatoren und Experten zum rezipierenden Publikum wird hier eine Kommunikationssituation etabliert, die eine dialogische Struktur zwischen innerbildlichen Kommunikatoren und extrabildlichen Adressaten suggeriert. Dabei sind die Kommunikatoren selbst Teil der vorfilmischen Realität und bauen durch die moderierend-debattierende Auseinandersetzung mit dem Kulturgut Comic und Film Verbindungslinien zu dieser auf. Die auf diese Weise geschaffene Authentizität findet sich mitunter auch durch den Bezug zu realexistierenden Schauplätzen, – wie dem Comic-Geschäft „Collectors Paradise“, welches in einigen Folgen als ‚Studio’ genutzt wird – wieder. Im Feld der Gattung folgt die Webserie hierbei eher einer dokumentierenden Logik, die durch die Verknüpfung von Moderation, Faktenpräsentation und anschließendem Wettkampf eine klare Nähe zum Format der TV-Show aufbaut (vgl. Wulff 2012). Vor dem Hintergrund, dass in Super Power Beat Down Faktuales und Fiktionales, Gattungen und Genres derart miteinander vermengt und ineinander überführt werden, ließe sich von einer Art Gattungs- und Genrehybrid sprechen.

Dramaturgie und narrative Struktur


Der Konvention einer TV-Show folgend, zeigt sich die Webserie einer linearen, sich in jeder Episode wiederholenden Aneinanderreihung einzelner ‚Attraktionen’/,Nummern‘ verpflichtet (vgl. Wulff 2012). Beginnen mit der einleitenden Anmoderation von Marisha Ray (1.), zählen Damian Beurer und Andy Liegl im Folgenden Pro- und Contra-Argumente für einen möglichen Gewinn einer der beiden, gegeneinander kämpfenden Charaktere auf (2.a). Meist ist dies durch grafische Inserts, die einzelnen Argumente auflistend, sowie Bildmaterial der Figuren aus Comic und Film unterstützt. Seit der siebten Episode wird dieser Faktencheck durch vorgeschaltete Meinungsinterviews mit Teilnehmern auf Comic- und Computerspielmessen ergänzt oder gar ersetzt (2.b). Charakteristisch für diesen Teil ist der gänzliche Ausschluss künstlicher Lichtquellen und Farbeffekten wie die durchgehende Aufnahme mit Handkameras.
Jede einzelne ‚Nummer‘ der Webserie ist durch ein Zwischenbild im Stile lautmalerischer Comicsprechblasen und einen klanglichen ‚Tusch‘ abgegrenzt. Hingegen wird der Wettkampf (3.) durch das Ausstrecken der geballten Faust von Moderation und Experten – gekoppelt an eine luminanzsteigernde, additive Überblendung – gewissermaßen aktivierend eingeleitet. Die Kampfsituation wird dabei in kräftigen Farben, fließenden Kamerabewegungen, phantastischen Figurationen und Settings dargestellt und dabei, von orchestral-heroischer Musik untermalt. Zusätzlich wird durch Textinserts, die zu Beginn die Namen der beiden Gegner am Bildschirmrand zeigen, an die Ästhetik von Zweikampf-Computerspielen, sogenannten Beat-em-up‘s (vgl. Decker 2005, 29 und 107) angeknüpft.

Zwar können die Rezipienten – anders als in derartigen Videospielen – keinen direkten Einfluss auf die Kampfhandlungen der Figuren nehmen, jedoch entscheiden sie über den finalen Sieger: Jede Episode von Super Power Beat Down schließt mit der Aufforderung an die Zuschauer, für den möglichen Gewinner der festgelegten Figurengegenüberstellung der nächsten Episode abzustimmen. Dem Mehrheitsprinzip folgend, gewinnt in der fiktionalen Spielfilmsequenz jeder Episode schließlich jene Figur, welche im Vorfeld die meisten Stimmen durch die Rezipienten erhalten hat. So kommt dem Publikum eine entscheidende Funktion zu: Es determiniert durch die Teilnahme am Abstimmungsverfahren interaktiv das Ziel bzw. den Sieger des Grundgeschehens (Showdown). Darüber hinaus ist es dem Publikum prinzipiell möglich, sich über das Kontaktfeld auf der Website oder über Facebook Figurengegenüberstellungen zu wünschen. Jede einzelne Episode der Webserie basiert insofern auf einem ‚Dialogverfahren‘ mit den Rezpierenden.

Zur interaktiven Rolle der Rezipienten trägt auch die Tatsache bei, dass die Experten bis zum Ende der Spielfilmsequenz den Anschein erwecken, selbst nicht über den Ausgang des Kampfes informiert zu sein. So bewerten die Experten allein auf Basis ihres generellen Comic- und Filmwissens vorab die gegeneinander antretenden Charaktere und debattieren über den möglichen Gewinner. Ein direkter Umschnitt markiert den Sprung von der actionreichen Spielfilmsequenz zurück in die Studio-Situation, sobald der Sieger aus der Sequenz hervorgegangen ist. Erst zu diesem Zeitpunkt wird das Ergebnis der Online-Abstimmung der Rezipienten durch eine Grafik im Comicstil bekanntgegeben (4.a). Mit einem Hinweis auf die vorhergehende und nachfolgende Episode (oft durch visuelle Sequenzausschnitte als Bild im Bild realisiert), der Aufforderung über die Website abzustimmen sowie der Bitte, die Webserie auf Facebook und YouTube zu ‚liken‘, endet die jeweilige Episode. In einzelnen Fällen ist allerdings eine prägnante, kurze Sequenz aus dem fiktionalen Showdown nachgeschaltet (5a), die meist komödiantischer-persiflierender Natur ist. Waren die Experten in den ersten Episoden noch verpflichtet, für ihre mögliche Fehlprognose des Kampfverlaufs durch Ausgleichshandlungen einzustehen (5.b) (vgl. beispielsweise das Ende von Episode 4), so hat sich seit der Episode 10 vielmehr die Verfügbarkeit eines alternativen Endes der fiktionalen Spielfilmsequenz etabliert. Dieses ist durch einen eingeblendeten Button am Ende des Wettkampfes abrufbar (4.b).

So sehr Super Power Beat Down einer linearen ‚Nummerndramaturgie‘ folgt – die sich in ihrem Spannungsgehalt durch den Vorbehalt der Informationen über den finalen Siegers potenziert –, so sehr sind die Rezipienten das ‚zentrale Integral‘ der narrativen Prozesse in der Webserie. Ebendiese Interaktivität, die Möglichkeit eben nicht allein über soziale Medien zu kommentieren, durch Links auf vorhergehende und folgende Episoden zuzugreifen und sich per E-Mail an die Produzenten wenden zu können, sondern mittels Abstimmungsverfahren den Sieger zweier, wettstreitenden Comic- und Filmlegende mit zu bestimmen und ggf. über ein alternatives Sequenzende gar ‚heraufbeschwören‘ zu können, genau dies macht den Charme von Super Power Beat Down aus.

Rezeption


Super Power Beat Down wird seit 2012 von Bat in the Sun (Aaron und Sean Schoenke) und Machinima produziert und exklusiv über YouTube verbreitet. Die einzelnen Episoden zählen auf YouTube zwischen einer und vier Millionen ‚Klicks‘, der Kanal von Bat in the Sun selbst ist von rund einer Millionen YouTube Nutzern abonniert. Neuigkeiten von und über die laufende Produktion werden mittels Twitter-Account und Facebook der Öffentlichkeit nahegebracht, wobei vor allem via Facebook Bild- und Videomaterial von der Arbeit hinter den Kulissen präsentiert wird. Die sozialen Netzwerke bilden einen gewissen Rahmen, welcher die auf YouTube veröffentlichen Episoden kontextualisiert. Diese Strategie erinnert an bekannte TV-Sender, die ihren Zuschauern im Netz zusätzlich Inhalte zu ihren Lieblingsfernsehsendungen anbieten. Ein solch standardisiertes Prinzip schafft zwar Orientierung und Vertrauen in Nutzung und Rezeption, doch bleibt abzuwarten, ob sich dieser Ansatz – auch vor dem Hintergrund der linearen Nummerndramaturgie der Webserie – nicht erschöpfen wird.

Angaben


Staffeln: 1
Episoden: 16
Episodenlänge: 4 – 16 min. [Ø 9:10 min.]
Erscheinungsrhythmus: monatlich
Zuerst gezeigt auf: YouTube
Regie: Aaron Schoenke
Produktion: Bat in the Sun / Machinima Productions
Jahr: 2012 – 2014
Genre: Sciene-Fiction, Action, Comedy
Abrufbar unter:
Super Power Beat Down (YouTube) https://www.youtube.com/playlist?list=PL6F730F85FA7C34C2
(Zugriff: 12.07.2015)
Sonstige Quellen:
Super Power Beat Down (Website)
Super Power Beat Down (Facebook)
Bat in the Sun (Twitter)

Sekundärliteratur:

Decker, Markus (2005): Jugendschutz und neue Medien. Grundfragen des Ju-
gendmedienschutzes in den Bereichen Bildschirmspiele und Internet. Münster:
Waxmann.

Kuhn, Markus (2011): Filmnarratologie. Ein erzähltheoretisches Analysemodell. Berlin: De Gruyter.
Wulff, Hans-Jürgen (2012): „Show“ In: Hans-Jürgen Wulff (Hg.): Lexikon der Filmbegriffe. Kiel: Chrisitan-Albrechts-Universität zu Kiel, online verfügbar unter http://filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon. (Zugriff: 13.07.2015).

Jurij Abegg, 08.02.2017