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Super Power Beat Down [ENG]


Handlung


In den ‚fiktionalen Universen‘ des Superhelden-Comics, des Fantasy- und des Science-Fiction-Films sind es die spezifischen, übersinnlich-metaphysischen Fertigkeiten, welche Protagonisten und Antagonisten – oftmals durch kriegerische Auseinandersetzungen – in ihrer jeweiligen Rolle exponieren und auf den Entwicklungsprozess der Geschichte Einfluss nehmen. Super Power Beat Down führt die legendären Helden und Antihelden verschiedener ‚Fiktionskosmen‘ (wie beispielsweise Darth Vader, Superman, Wolverine etc.) in einem neuen zusammen und lässt zwei von ihnen – Kraft ihrer jeweiligen Spezialfertigkeiten – in einer kriegerisch-offensiven Konfrontation gegeneinander antreten. Jeder Zweikampf wird von einer Moderation (Marisha Ray) und einem Faktencheck zu den betreffenden Figuren (Damian Beurer, Andy Liegl, vereinzelt weitere Experten der Medienbranche) gerahmt. So wird in Super Power Beat Down weniger eine episodenübergreifende Geschichte bzw. Handlung vermittelt, sondern einzelne Auseinandersetzungen zwischen fiktionalen Figuren der Populärkultur inszeniert.

Genre


Super Power Beat Down dezidiert einer Gattung und einem konkreten Genre zuzuordnen, würde der Webserie insofern nicht gerecht, als dass sich auf beiden Klassifikationsebenen Hybridformen abzeichnen: Das Kernelement der Serie, der ‚Showdown‘, ist als kurze Spielfilmsequenz realisiert, in welcher die zwei Legendenfiguren entsprechend ihren Charaktereigenschaften und Fähigkeiten die Kampfhandlung vorantreiben. Die Mise-en-Scène auf der einen Seite, die Kostümierung und der sprachliche Ausdruck der Figuren auf der anderen Seite, verweisen dabei mehr oder minder eindeutig auf jene Comic- und Filmwelten, aus denen die Figuren ursprünglich hervorgegangen sind (intermediale Bezüge). Hier wird in ebendieser Kombination zweier Figuren aus unterschiedlichen Medienkontexten ein eigener, von der vorfilmischen Realität abgekoppelter ‚Fiktionsraum‘ geschaffen. Wenn auch Science-Fiction-Elemente in den Spielfilmsequenzen dominieren (Figuren, Setting, Objekte etc.), zeichnet sich in den effektgeladen Kampfhandlungen vor allem Action und expressive Gewalt ab. Neben Überspitzungen, Ironisierungen und überraschenen Twists, sind die filmischen Sequenzen vereinzelt von karikierend-komödiantischen Impulsen geprägt. Die Spielfilmsequenzen bewegen sich folglich im genrehybriden Spannungsfeld zwischen Science-Fiction, Action und Komödie (vgl. z. B. Episode 4 und Episode 14).

Von der Inszenierung der ‚Kämpfe’ ist vor allem die rahmende Moderation und der ‚Faktencheck’ zu unterscheiden: Durch die gezielte Hinwendung der Moderatoren und Experten zum rezipierenden Publikum wird hier eine Kommunikationssituation etabliert, die eine dialogische Struktur zwischen innerbildlichen Kommunikatoren und extrabildlichen Adressaten suggeriert. Dabei sind die Kommunikatoren selbst Teil der vorfilmischen Realität und bauen durch die moderierend-debattierende Auseinandersetzung mit dem Kulturgut Comic und Film Verbindungslinien zu dieser auf. Die auf diese Weise geschaffene Authentizität findet sich mitunter auch durch den Bezug zu realexistierenden Schauplätzen, – wie dem Comic-Geschäft „Collectors Paradise“, welches in einigen Folgen als ‚Studio’ genutzt wird – wieder. Im Feld der Gattung folgt die Webserie hierbei eher einer dokumentierenden Logik, die durch die Verknüpfung von Moderation, Faktenpräsentation und anschließendem Wettkampf eine klare Nähe zum Format der TV-Show aufbaut (vgl. Wulff 2012). Vor dem Hintergrund, dass in Super Power Beat Down Faktuales und Fiktionales, Gattungen und Genres derart miteinander vermengt und ineinander überführt werden, ließe sich von einer Art Gattungs- und Genrehybrid sprechen.

Dramaturgie und narrative Struktur


Der Konvention einer TV-Show folgend, zeigt sich die Webserie einer linearen, sich in jeder Episode wiederholenden Aneinanderreihung einzelner ‚Attraktionen’/,Nummern‘ verpflichtet (vgl. Wulff 2012). Beginnen mit der einleitenden Anmoderation von Marisha Ray (1.), zählen Damian Beurer und Andy Liegl im Folgenden Pro- und Contra-Argumente für einen möglichen Gewinn einer der beiden, gegeneinander kämpfenden Charaktere auf (2.a). Meist ist dies durch grafische Inserts, die einzelnen Argumente auflistend, sowie Bildmaterial der Figuren aus Comic und Film unterstützt. Seit der siebten Episode wird dieser Faktencheck durch vorgeschaltete Meinungsinterviews mit Teilnehmern auf Comic- und Computerspielmessen ergänzt oder gar ersetzt (2.b). Charakteristisch für diesen Teil ist der gänzliche Ausschluss künstlicher Lichtquellen und Farbeffekten wie die durchgehende Aufnahme mit Handkameras.
Jede einzelne ‚Nummer‘ der Webserie ist durch ein Zwischenbild im Stile lautmalerischer Comicsprechblasen und einen klanglichen ‚Tusch‘ abgegrenzt. Hingegen wird der Wettkampf (3.) durch das Ausstrecken der geballten Faust von Moderation und Experten – gekoppelt an eine luminanzsteigernde, additive Überblendung – gewissermaßen aktivierend eingeleitet. Die Kampfsituation wird dabei in kräftigen Farben, fließenden Kamerabewegungen, phantastischen Figurationen und Settings dargestellt und dabei, von orchestral-heroischer Musik untermalt. Zusätzlich wird durch Textinserts, die zu Beginn die Namen der beiden Gegner am Bildschirmrand zeigen, an die Ästhetik von Zweikampf-Computerspielen, sogenannten Beat-em-up‘s (vgl. Decker 2005, 29 und 107) angeknüpft.

Zwar können die Rezipienten – anders als in derartigen Videospielen – keinen direkten Einfluss auf die Kampfhandlungen der Figuren nehmen, jedoch entscheiden sie über den finalen Sieger: Jede Episode von Super Power Beat Down schließt mit der Aufforderung an die Zuschauer, für den möglichen Gewinner der festgelegten Figurengegenüberstellung der nächsten Episode abzustimmen. Dem Mehrheitsprinzip folgend, gewinnt in der fiktionalen Spielfilmsequenz jeder Episode schließlich jene Figur, welche im Vorfeld die meisten Stimmen durch die Rezipienten erhalten hat. So kommt dem Publikum eine entscheidende Funktion zu: Es determiniert durch die Teilnahme am Abstimmungsverfahren interaktiv das Ziel bzw. den Sieger des Grundgeschehens (Showdown). Darüber hinaus ist es dem Publikum prinzipiell möglich, sich über das Kontaktfeld auf der Website oder über Facebook Figurengegenüberstellungen zu wünschen. Jede einzelne Episode der Webserie basiert insofern auf einem ‚Dialogverfahren‘ mit den Rezpierenden.

Zur interaktiven Rolle der Rezipienten trägt auch die Tatsache bei, dass die Experten bis zum Ende der Spielfilmsequenz den Anschein erwecken, selbst nicht über den Ausgang des Kampfes informiert zu sein. So bewerten die Experten allein auf Basis ihres generellen Comic- und Filmwissens vorab die gegeneinander antretenden Charaktere und debattieren über den möglichen Gewinner. Ein direkter Umschnitt markiert den Sprung von der actionreichen Spielfilmsequenz zurück in die Studio-Situation, sobald der Sieger aus der Sequenz hervorgegangen ist. Erst zu diesem Zeitpunkt wird das Ergebnis der Online-Abstimmung der Rezipienten durch eine Grafik im Comicstil bekanntgegeben (4.a). Mit einem Hinweis auf die vorhergehende und nachfolgende Episode (oft durch visuelle Sequenzausschnitte als Bild im Bild realisiert), der Aufforderung über die Website abzustimmen sowie der Bitte, die Webserie auf Facebook und YouTube zu ‚liken‘, endet die jeweilige Episode. In einzelnen Fällen ist allerdings eine prägnante, kurze Sequenz aus dem fiktionalen Showdown nachgeschaltet (5a), die meist komödiantischer-persiflierender Natur ist. Waren die Experten in den ersten Episoden noch verpflichtet, für ihre mögliche Fehlprognose des Kampfverlaufs durch Ausgleichshandlungen einzustehen (5.b) (vgl. beispielsweise das Ende von Episode 4), so hat sich seit der Episode 10 vielmehr die Verfügbarkeit eines alternativen Endes der fiktionalen Spielfilmsequenz etabliert. Dieses ist durch einen eingeblendeten Button am Ende des Wettkampfes abrufbar (4.b).

So sehr Super Power Beat Down einer linearen ‚Nummerndramaturgie‘ folgt – die sich in ihrem Spannungsgehalt durch den Vorbehalt der Informationen über den finalen Siegers potenziert –, so sehr sind die Rezipienten das ‚zentrale Integral‘ der narrativen Prozesse in der Webserie. Ebendiese Interaktivität, die Möglichkeit eben nicht allein über soziale Medien zu kommentieren, durch Links auf vorhergehende und folgende Episoden zuzugreifen und sich per E-Mail an die Produzenten wenden zu können, sondern mittels Abstimmungsverfahren den Sieger zweier, wettstreitenden Comic- und Filmlegende mit zu bestimmen und ggf. über ein alternatives Sequenzende gar ‚heraufbeschwören‘ zu können, genau dies macht den Charme von Super Power Beat Down aus.

Rezeption


Super Power Beat Down wird seit 2012 von Bat in the Sun (Aaron und Sean Schoenke) und Machinima produziert und exklusiv über YouTube verbreitet. Die einzelnen Episoden zählen auf YouTube zwischen einer und vier Millionen ‚Klicks‘, der Kanal von Bat in the Sun selbst ist von rund einer Millionen YouTube Nutzern abonniert. Neuigkeiten von und über die laufende Produktion werden mittels Twitter-Account und Facebook der Öffentlichkeit nahegebracht, wobei vor allem via Facebook Bild- und Videomaterial von der Arbeit hinter den Kulissen präsentiert wird. Die sozialen Netzwerke bilden einen gewissen Rahmen, welcher die auf YouTube veröffentlichen Episoden kontextualisiert. Diese Strategie erinnert an bekannte TV-Sender, die ihren Zuschauern im Netz zusätzlich Inhalte zu ihren Lieblingsfernsehsendungen anbieten. Ein solch standardisiertes Prinzip schafft zwar Orientierung und Vertrauen in Nutzung und Rezeption, doch bleibt abzuwarten, ob sich dieser Ansatz – auch vor dem Hintergrund der linearen Nummerndramaturgie der Webserie – nicht erschöpfen wird.

Angaben


Staffeln: 1
Episoden: 16
Episodenlänge: 4 – 16 min. [Ø 9:10 min.]
Erscheinungsrhythmus: monatlich
Zuerst gezeigt auf: YouTube
Regie: Aaron Schoenke
Produktion: Bat in the Sun / Machinima Productions
Jahr: 2012 – 2014
Genre: Sciene-Fiction, Action, Comedy
Abrufbar unter:
Super Power Beat Down (YouTube) https://www.youtube.com/playlist?list=PL6F730F85FA7C34C2
(Zugriff: 12.07.2015)
Sonstige Quellen:
Super Power Beat Down (Website)
Super Power Beat Down (Facebook)
Bat in the Sun (Twitter)

Sekundärliteratur:

Decker, Markus (2005): Jugendschutz und neue Medien. Grundfragen des Ju-
gendmedienschutzes in den Bereichen Bildschirmspiele und Internet. Münster:
Waxmann.

Kuhn, Markus (2011): Filmnarratologie. Ein erzähltheoretisches Analysemodell. Berlin: De Gruyter.
Wulff, Hans-Jürgen (2012): „Show“ In: Hans-Jürgen Wulff (Hg.): Lexikon der Filmbegriffe. Kiel: Chrisitan-Albrechts-Universität zu Kiel, online verfügbar unter http://filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon. (Zugriff: 13.07.2015).

Jurij Abegg, 08.02.2017